3W26 - Teil 2

20.07.2026 - Teil 2 - endlich Dänemark

An 'unserem' Steg in Damp liegen auf der gegenüberliegenden Seite eine ganze Reihe großer Schiffe, die verchartert werden, darunter eine Elan 410, die aber von dem Betreiberpaar der Charterfirma selbst gesegelt wird. An den Booten herrscht reger Betrieb, Ein- und Auszüge von Chartercrews, Bootsbauer, die kleinere Reparaturen durchführen, Reinigungstrupps, relativ ähnlich wie ein Hotel.
Am Nachmittag vor dem Tag unserer Abreise zog ein Trio 'Bestager' auf einer Halberg Rassy 38 ein, mit einem ziemlich kapitalen schwarzen Retriever-Rüden, für den eigens eine Art Gangway auf das mit dem Heck am Steg liegenden Boot eingerichtet wurde. Als Hund und Herrchen den Steg zum Boot herunter liefen, setzte der Retriever zum Endspurt an, um die beiden Bekannten an Bord schwanzwedelnd zu begrüßen. Die Kurze zur Gangway war eng und das Brett ziemlich schmal, die Fliehkraft zu hoch oder der Grund bot nicht genug Grip - die Summe aus allen Verhältnissen ließ den schwarzen Brocken abschmieren und einen guten Meter zwischen Steg und Boot herab- und in's Wasser fallen. Ohne lange Überlegung zeigte sein Herrchen Herz und ging über's Heck auf die schmale Badeplattform - und direkt in voller Montur ebenfalls hinein ins Hafenbecken - geteiltes Leid ist halbes Leid. Herbeigeeilte Crews von den Nachbarbooten halfen mit Seilen und Hände, den erschrockenen Hund auf den Steg zu hiefen, während Herrchen sich über eine Notleiter am Steg selbst einen Weg fand. Da standen sie nun, patschnass und wieder in Sicherheit vereint. Herrchen hatte keine anderen Gedanken, als sich um seinen treuen Kameraden zu kümmern, liebkosend und mit Handtuch feierten die beiden unter Applaus der Umstehenden die Rettung.
Tags drauf erfuhren wir vom Retter, dass sogar seine Armbanduhr und sein Mobiltelefon die Aktion überstanden hatten. Es war also alles glimpflich verlaufen, und wir dürfen uns nachträglich für das spektakuläre Hafenkino bedanken!

Endlich war ein Wetterfenster gekommen, das uns eine Abreise unter Segeln aus Damp ermöglichte. Die Überfahrt nach Marstal war toll: Vier Beaufort halber Wind machte, dass die Santanita eine Furche in die Ostsee schnitt, hinter Ihr brodelndes Kielwasser - schöner kann es nicht gehen!

Aber irgendwas ist ja bekanntlich immer und diesmal war es die Anfahrt auf den Hafen: Sternförmig bewegte sich eine große Menge Urlaubshungriger auf die Hafeneinfahrt zu. Wir waren rund eine Meile vorher durch ein dichtes Seegrasfeld gefahren und hatten danach das sichere Gefühl ein ordentliches Knäuel davon am Kiel eingefangen zu haben. Unsere Fahrt war damit mühsam und alle anderen Boote um uns herum waren schneller. Ein fairer X-35-Skipper blieb verhalten hinter uns, aber viele andere nutzten unsere Bremse schamlos aus.
Der Hafen war brechend voll - keine Chance auf einen regulären Liegeplatz. Sternförmig vertäuten sich die Boote provisorisch an den Stegköpfen, neue Bekanntschaften ergaben sich gezwungenermaßen. Wir lagen als zweite hinter einem regulären Endplatz, hinter uns noch zwei weitere Boote, also ein Viererpack insgesamt. Obwohl alle Rücksichtnahme übten, war die Situation alles andere als entspannend. Das Geturne über die fremden Boot nervt die Turner und die Eigner, der Abstieg vom steilen Steven des ersten Bootes zum tiefen Schwimmsteg war potenziell gefährlich, ein echtes Schmankerl für den ohnehin noch lange nicht kurierten Knöchel des Skippers. In dieser Situation überlegt man sich jeden Landgang dreimal!
Der Verbund blieb einen zweiten Tag stabil, weil der starke Wind alle Verknüpften vom Segeln abhielt. Dafür hatte Marstal eine hübsche Überraschung zu bieten: Am Mittag entdeckten wir beim Gang zum Nahrungsmittelversorger ein Plakat, das auf einen 'Maritimen Tag' hinwies, gleichzeitig liefen scharenweise kleine und große Traditionssegler ein, die am Ende ein wunderschönes Bild abgaben. Garniert mit etwas Livemusik und ein paar Buden mit kulinarischem Angebot ergänzten die Veranstaltung zu einem ziemlich besonderen Event. Solch eine Kulisse der vielen alten Segler konnte selbst die Kieler Woche dieses Jahr nicht bieten! Wir trafen uns mit den befreundeten Stegnachbarn aus Schilksee auf ein paar Tröpfchen aus dem Tuborg-Hahn und hatten einen guten Abend.

DIe Nacht war unruhig durch den heulenden Wind und das Geruckel, das so ein Paketverbund mit sich bringt. In alle Richtungen knartschten Fender und rückten Festmacher ein. Außerdem mussten wir uns den Wecker stellen, denn das innerste Boot hatte Ablegen u, 9:00 UHr ausgerufen. Insgesamt war große Abfahrt an diesem Morgen, und so ergab sich für uns die Gelegenheit, nach der Abfahrt der beiden äußeren Boote, einen 'richtigen' Liegeplatz für uns zu ergattern. Wir hatten ohnehin beschlossen, einen weiteren Tag zu bleiben, weil der Wind weiter heftig blies und zudem aus einer Richtung, die uns gar nicht passte.
Gegen 11:00 Uhr waren wir fest am neuen Liegeplatz. Die Bordfrau befand ihr Glücksgefühl als königlich, und somit war auch der Skipper hoch zufrieden. Wir verbrachten den sonnigen Tag mit Basteleien am Boot, Aufräum- und Reinigungstätigikeiten, Einkauf, aber auch tüchtig Relaxen. Das war endlich richtiger Urlaub!
Am Abend kam eine dänische Nachbarin und schenkte uns ein gutes Pfund frischer Krabben - ungepult, aber direkt vom Fischer an diesem Tag. Gleich machte sich die Bordfrau ans berüchtigte Pulen. Es muss ich wohl um Jungtiere gehandelt haben, denn die aus der Schale entnommene Fleischmenge hatte homöopatischen Charakter - trotzdem lecker!