6. Juli 2019 - Endlich Urlaub. Seit gestern Abend steht der neue Mast - Punktlandung. Noch ein bisschen Zusammenbau und dann könnte es losgehen - wäre da bloß nicht der grobe Westwind, der an Segelei nicht denken lässt, schon gar nicht mit einem unerprobten Rigg. Was also bleibt, ist warten. Wahrscheinlich ist das aber auch gut so, denn im Bauch der Santanita herrscht noch ein ziemliches Chaos nach dem Aufbau des neuen Antriebs. Also aufräumen, stauen und weiter vorbereiten.

Am Dienstag, den  9.Juli, ist der Wind soweit runter, dass die Leinen losgeworfen werden. Plan: Einmal Richtung Leuchtturm und dann entscheiden, wohin es geht. Es läuft so gut, dass wir weitersegeln nach Bagenkop. Dummerweise brist der Wind vor Langeland doch wieder auf, der Bordfrau wird mulmig. Trotzdem liegen wir wenig später sicher im Päckchen und finden Entspannung nach der anstrengenden Überfahrt. Sowohl Windprognose als auch Gemüt drängen den Verbleib für einen weiteren Tag auf. Bagenkop belohnt diese Entscheidung mit Sonnenschein und wir empfinden ein erstes Urlaubsgefühl.

11. Juli - Der Westwind schwächt ab und wir können hoch am Wind in die Rinne nach Marstal. Allerdings fahren wir daran vorbei, denn uns steht der Sinn nach einem kleinen Hafen auf Stryno. Der Hafen ist zwar voll, aber mit etwas Geschicklichkeit und Mut hinsichtlich des Tiefgangs kommen wir unter - neben uns noch ein junges Paar mit einem schlimmen Schiff, dafür mit Gitarre und lebensbelustigenden Mitteln.

Am nächsten Tag fahren wir mit südlich gedrehtem Wind weiter Richtung Westen - Avernakoe ist als Ziel besprochen. Allerdings flaut der Wind ab bis nahe an die Flaute und wir motoren. Nach einer guten Stunde Lärm durch Dieselverbrennung entschließen wir uns spontan, eine Ankerbucht vor Korshavn zu besuchen, die uns Abdeckung vor dem für die Nacht und den kommenden Morgen angesagten Ostwind gibt.
Der Abend und die Ankernacht sind wunderbar. Idyllisch liegen wir mit 6 andern Yachten und schwoien um das Grundeisen. Ein Bad in der Bucht erfrischt und ermüdet zugleich. Die vom Skipper zubereitete 'Pasta à la Santanita' gibt uns den Rest und wir schlafen tief und fest mit dem sicher haltenden Anker.
Am Morgen fällt das Frühstück knapp aus, weil wir uns nicht gut bevorratet hatten. Also suchen wir nach der Einsamkeit nun die große Stadt. Auch der für die kommenden Tage angesagte Starkwind macht, dass wir uns auf etwas Landleben freuen.

13. Juli - Der große Handelshafen von Faaborg ist schnell erreicht und angesichts unseres frühen Einlaufens findet sich auch noch eine Box, in die die Santanita trotz ihrer Breite passt. Der leicht knurrende Magen wird schnell mit Räucherfisch befriedigt. Auf der Kreuz haben wir unseren Schrubber verloren, den der Skipper unachtsam auf dem Vordeck liegen gelassen hat, nachdem er damit den Anker gereinigt hat - wirklich dämlich. So ergibt sich ein Shopping-Zwang und wir erkunden mehrfach die gesamte Stadt. Das Schrubberangebot erweist sich als maßlos überteuert, aber es gibt viele andere Dinge, die unser Herz erfreuen.
Am Abend macht ein toller Sänger und Pianist gute Stimmung im Garten des Vereins für historische Schiffe.
Für Faaborg nehmen wir uns etwas mehr Zeit. Am Hafentag erkunden wir nochmals die Stadt und die örtlichen Supermärkte, um unsere Vorräte aufzufüllen. In der Mitte der Stadt gibt es einen Eisladen, bei dem die Waffeln frisch gebacken werden. Die ganze Straße duftet verführerisch nach diesen Waffeln. Leider sind die Temperaturen nicht hoch genug, um an eine solche Erfischung zu denken.
Im Sportboothafen geht die EM der Europe Masters zuende und für die Junioren geht es los. Zum Wechsel gibt es im Zentrum Siegerehrung und Begrüßung.

16. Juli - Weiter geht es auf einem kurzen Schlag nach Lyö. Diese 'beliebteste Insel der Deutschen' zieht auch uns an. Der Hafen ist knackevoll, obwohl wir bereits gegen Mittag einlaufen. Wir liegen im Päckchen mit einen jungen, dänischen Paar. Wenig später legt noch eine Mosquito 85 bei uns an und später noch ein Folkeboot. Mit der Crew der Mosquito tauschen wir uns sehr bereichernd über den Zustand, Bauweise und die Eigenschaften der Boote aus.
Die 85 ist vollständig überholt und macht einen tollen Eindruck. Ein bisschen wächst die Motivation, nach der Investition in den neuen Mast auch an der Santanita eine etwas umfangreichere Renovierung vorzunehmen.
Lyö ist schön. Der kleine Kaufmann in dem einem Kilometer entfernten Mittelpunkt der Insel ist offensichtlich auch das gesellschaftliche Zentrum. Vom Fähr- und Sportboothafen bewegen sich Karawanen von Besuchern zu diesem Ort. Leider ist an unserem zweiten Abend die einzige Restauration, eine Pizza- und Gin-Bar, ausgebucht.

18. Juli - Die Überfahrt nach Fynshav gelingt ohne Schwierigkeiten. Nur unter Genua kommen wir früh genug an, um den sich aufbauenden Wellen auf dem Kleinen Belt zu entgehen. Obwohl (oder gerade weil) der Hafen mit seinem Ort in den gängigen Hafenführern nicht besonders angepriesen wird, fühlen wir uns sehr gut aufgehoben. Entgegen dem überlaufenen Lyö ist hier sowohl Platz als auch Ruhe. Wir besorgen uns etwas Grillgut und haben ein prima Abendessen an einem netten Plätzchen. Die Nacht ist erholsam und still.

19. Juli - Die Reise soll in den laut Hafenhandbuch beliebtesten Hafen Dänemarks gehen: Dyvig. Hoch am Wind kreuzen wir bei moderaten Bedingungen gegen den Nordwestwind an der Ostküste von Als entlang. An der Nordspitze angekommen dreht der Wind westwärts, schläft kurz ein, kommt aber wieder - also weiter kreuzen. An der Einfahrt zur Bucht ist der Wind endgültig weg und wir motoren die letzten zwei Meilen bis zum Hafen. Es gibt erstaunlich viele Liegeplätze hier und genügend sind frei. Wir machen sicher fest und freuen uns über den gelungenen Törn.
Kurz entschlossen nehmen wir den kostenfreien Bus in die Stadt Nordborg, um uns dort mit leckerem Salat zu versorgen, den wir nach der Rückkehr aufs Boot genießen. Das hat toll geklappt!
Am Abend wundern wir uns über den idyllischen Ruf, der der Marina vorauseilt. Etliche Dingis von Ankerliegern knattern störend durch die Bucht bis weit nach Sonnenuntergang, teils ausschließlich zur Belustigung des mitreisenden Nachwuchses. Wir ignorieren die Unruhe unter Zuhilfenahme von dänischem Lakritzlikör.
Nordborg ist am folgenden Tag schnell erkundet. Es gibt ein Schlösschen, das zur Schule umfunktioniert wurde. Der angrenzende Park am See lädt zu einem erholsamen Spaziergang ein. Im Ort wächst beim Skipper ein melancholisches Gefühl, denn er war vor ca. 25 Jahren schon einmal hier, im Haus der Familie eines Freundes, den er inzwischen aus den Augen verloren hat. Er nimmt sich vor, diese Freundschaft zu erneuern.
Es gibt am 21. Juliordentlich westlichen Wind mit Böen bis 26 Knoten. Die Weiterfahrt nach Augustenborg wird deshalb verschoben.

[Update 25.7.2019]

Am 22. Juli starten wir früh nach Augustenborg. Ab Mittag soll es Regen geben und dem wollen wir entkommen. Der Plan geht auf und nach einfacher, zügiger Segelei machen wir bei einsetzendem Niesel in dem privat geführten Hafen fest. Den ganzen Nachmittag regnet es leicht aber beharrlich. Trotzdessen machen wir eine Erkundungstour durch den Ort und den Schlosspark mit Skulpturenausstellung. Mit Sonnenschein wäre das ganz großartig gewesen. Wir müssen also irgendwann nochmal hierher. Am Abend zeigt die dänische Gastronomie, was sie (nicht) kann: Ein asiatisches Paar betreibt eine Burger- und Frittenbude, in der man in der Hauptzeit auch ein Chop Suey bekommt. Aus lauter Lust auf Abwechslung lassen wir uns darauf ein. Immerhin war das Essen heiß.....

Für den 23. Juli haben wir uns eine Fahrt nach Hörup vorgenommen. Der Nordwestwind zwingt uns zum Kreuzen aus dem Augustenborgfjord, aber nach dem Kurswechsel Richtung Süden durch den Alssund ist das Segeln leicht. Das Wetter ist traumhaft und der Sund hat an seinen Ufern viel zu zeigen. Wir treffen mit der Banner 30 Fritsjen die Ex-Yacht eines Vereinskameradenpaars. Überhaupt ist sehr, sehr viel Verkehr und auch der böige Wind fordert vom jeweiligen Rudergänger hohe Aufmerksamkeit. Die Klappbrücke in Sonderborg ist geöffnet als hätte sie auf uns gewartet. So durchfahren wir Sonderborg fast etwas zu schnell - es reicht gerade für ein paar Fotos. Die Marina lassen wir links liegen. Wir waren vor zwei Jahren hier und der Hafen bedarf einiger Sanieriung. So wie er ist, finden wir ihn nicht sonderlich attraktiv, auch aufgrund seiner Entfernung zum Zentrum. So machen wir uns wie geplant noch auf die rund eine Stunde entfernte Bucht nach Höruphav. Kurz hinter Sonderborg treffen wir erneut einen Schweinswal. Im Zielhafen gibt es einen Liegeplatz für uns und wir entscheiden uns gegen eine Ankernacht. Wir wollen einkaufen, was es in Deutschland nicht gibt, denn absehbar wird die unsere letzte Nacht in Dänemark.
Der Hafen von Höruphav ist etwas teurer als die übrigen Häfen, die wir bislang besucht haben. Aber die Anlage ist in Bestzustand und viele Details sind äußerst charmant gestaltet. Am Abend ein Bad in der Bucht und eine Grillerei in dem für Hafengäste bereitgestellten Pavillon. Wir fühlen uns sauwohl.

24. Juli - Die Wettervorhersagen nerven. Getrieben von einer Starkwindvorhersage für die zweite Wochenhälfte wollen wir alsbald in Heimatreichweite gelangen und planen für den heutigen Mittwoch einen etwas längeren Schlag nach Damp. Dort sind wir gerne und angesichts der Mastmisere waren wir dieses Jahr noch gar nicht da.
Die Santanita läuft mit toller Höhe gegen den langsam linksdrehenden Südostwind, so dass wir ohne Holeschlag die Landspitze von Falshöft erreichen können. Viele andere Yachten schaffen das nicht und wir fühlen uns objektiv schnell. Nach der Landspitze beginnen wir abzufallen und der asiatische Steuermann übernimmt das Ruder. Wir sitzen bei rauschender Halbwindsfahrt auf dem Vordeck in der Sonne und genießen und genießen und genießen.... Mehr Wohlgefühl gibt es beim Segeln wohl nicht. Zum Glück sind noch ein paar Meilen zu segeln, bevor es in den Hafen geht, diese königliche Zeit darf lange anhalten!
Damp begrüßt uns in altgewohnter Atmosphäre. Ein guter Liegeplatz ist schnell gefunden. Das gastronomische Angebot ist etwas renoviert - für unseren Eindruck schon etwas überpoliert. Zum Glück ist da noch die Pizzeria um die Ecke, die weiterhin hervorragende pikante Rundtorten backt. Auch hier treffen wir mit der Yachten Pasito und Charisma auf liebe Bekannte, mit denen es Einiges zu Plauschen gibt. Der Strand hält, was Ostseeurlaub verspricht. Wir springen ausgelassen wie Kinder in die Wellen und spielen mit einem bunten Ball. Mutter Natur bietet anhaltend kribbeligen Erfrischungsspaß ganz ohne Geld und Strom.
Am zweiten Abend singen zwei Damen mollbetonte, getragene Lieder in der Hafenbar, was irgendwie nicht in die sonnig-quirlige Stimmung passen will - aber besser als das Konservengedröhne vom Diskjockey am Strand.
Inzwischen ist der Freitag angebrochen und der Starkwind will einfach nicht kommen. Wir reden uns zu starken Seegang ein und bleiben - quasi notgedrungen. Am Montag wollen unsere Arbeitgeber uns wieder begrüßen, aber es gibt unsererseits einen wilden Plan.....

[letztes Update 30.7.2019]

Inzwischen ist der Plan durchgezogen und der Urlaub ist (trotzdem) zuende. Was haben wir gemacht?
Tatsächlich haben wir unseren Urlaub am Sonntag, den 28.7. 'unterbrochen', indem wir mit dem Bus aus Damp nachhause gefahren sind. Dort haben wir eine Nacht geschlafen und einen Tag gearbeitet, um am Montagabend wieder mit dem Bus nach Damp zu fahren und unseren Urlaub am gemeinsam freien Dienstag fortzusetzen. Ein bisschen aufwändig war das schon, aber es brachte uns gefühlt die durch Mastmisere und Starkwind am Beginn verlorenen Tage zurück. Am Dienstag gestartet und am Dienstag heimgekehrt....

Der letzte Abend in Damp war nochmal ausgesprochen harmonisch. Als wir gegen 21:00 Uhr auf der Santanita angekommen sind, klang uns gleich handgemachte Abendmusik aus der Hafenbar entgegen. Zwar sang die gleiche Sängerin wie am zweiten Abend, aber begleitet von zwei Gitarristen war das Repertoire diesmal deutlich lebensfreudiger und positiver. Zum Schluss gab's in der Plicht noch ein Erfrischungsgetränk bei warmer Sommerluft.

Die Nacht verlief ruhig bis der Regen auf das Deck trommelte. Es bewahrheitete sich die Vorhersage, dass der angehängte Urlaubstag eher trüb verlaufen sollte. Zu den wesentlichen Zeiten, nämlich zum Frühstück im Cockpit und während der gesamten Segelei nach Schilksee zogen die Regenzellen jedoch um uns herum, als würden wir bevorzugt behandelt. Auf der Rückreise sprechen wir über UKW die Fregatte Sachsen-Anhalt an, um unsere Passage auf deren Kurslinie vor ihrem Bug anzukündigen. Das Kriegsschiff liegt vor der Stohler Steilküste und führt 'Vermessungsarbeiten' durch. Aktuell läuft ein ostseeweites Manöver und aus der Ferne hört man Geschützgewummer - nicht schön. Zum Schluss erreichen wir den Heimathafen und machen klar Schiff. Mit ein bisschen Blues wenden wir uns den segelurlaubsfreien 49 kommenden Wochen zu und freuen uns auf 2020!

 

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